Das 40. DOK.fest München eröffnet mit FRIENDLY FIRE
Der junge Klaus Fried mit seinem Vater Erich Fried in FRIENDLY FIRE (c) H&U Film
Das DOK.fest München feiert am 7. Mai im Deutschen Theater Eröffnung mit FRIENDLY FIRE, einem Film des englischen Regisseurs Klaus Fried, kongenial zusammengesetzt von der Filmemacherin Julia Albrecht. Klaus Fried geht in dem Film den Lebensspuren seines berühmten Vaters, des Lyrikers Erich Fried, nach. Als dieser stirbt, ist der Sohn gerade 19 Jahre alt. Klaus macht sich auf den Weg und tastet sich im Gespräch mit Familienmitgliedern, Freund*innen und Wegbegleiter*innen an seinen berühmten Vater heran. Aus den Erinnerungen dieser Menschen setzt der Film ein faszinierendes Bild des Dichters zusammen und es wird deutlich, wie ähnlich sich Vater und Sohn sind.
Erich Fried wurde 1921 in Wien geboren, 1938 floh er vor den Nationalsozialisten nach London. Später wurde er einer der meistgelesenen deutschsprachigen Lyriker der Nachkriegszeit, zu seinen bekanntesten Werken gehört „Was es ist“ mit der Zeile „Es ist, was es ist, sagt die Liebe“. Er entwickelte einen ausgeprägten Drang zur Versöhnung mit Extremen jeglicher politischen Couleur. Der Film FRIENDLY FIRE läuft in der Reihe „Nie wieder ist jetzt? – Filme über Erinnerung und Widerstand“ (s. unten).
Daniel Sponsel und Adele Kohout (Festivalleitung): "Der Film von Klaus Fried und Julia Albrecht ist ein Geschenk zur richtigen Zeit, thematisch hochaktuell, voller Ambivalenzen und eine vielschichtige Familiensaga. Erich Fried vereinte als Künstler und Mensch die heftigsten Widersprüche: Als jüdischer Emigrant aus Wien wird er zum strengen Kritiker der israelischen Politik. Als linker Pazifist sucht er den Austausch mit dem bekennenden Neonazi Michael Kühnen. Sein Liebesleben folgt nur bedingt seiner sensiblen Lyrik zum Thema. Als Vater bleibt er dem Sohn Klaus ein Rätsel: überlebensgroß und doch zutiefst menschlich."
Regisseur Klaus Fried wuchs in London auf, begann in den 1980er Jahren im Filmbereich zu arbeiten und drehte zahlreiche Werbespots, Musikvideos und Kurzfilme. Er ist Dozent für Filmpraxis am London College of Communication und für Filmproduktion an der Middlesex University. FRIENDLY FIRE ist sein Langfilmdebüt. Zu seinen bisherigen Produktionen gehören ROOM SERVICE (2012) und GONE TO THE DOGS (2009).
Julia Albrecht arbeitet als freie Autorin, Regisseurin und Editorin mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm. Mit Busso von Mueller gründet sie die Produktionsfirma schoenfilm und entwickelt eine Reihe von Dokumentarfilmen und Filmstoffen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in Südostasien, Hongkong und China. Zu ihren Filmen gehören BE WATER – VOICES FROM HONG KONG (2023) als Editorin und GOOD MORNING HANOI (2003).
Interessierte Journalist*innen können FRIENDLY FIRE per Online-Screener vorab sichten (Anfragen bitte an petzold@dokfest-muenchen.de). Die feierliche Eröffnung des DOK.fest München findet wie in den vergangenen Jahren im 1.400 Gäste fassenden Saal des Deutschen Theaters statt. Der Vorverkauf für die Eröffnung im Deutschen Theater hat begonnen. Tickets gibt es unter deutsches-theater.de und 089 / 55 234 444.
Die Reihe „Nie wieder ist jetzt? – Filme über Erinnerung und Widerstand“
Aus dem Film IM OSTEN WAS NEUES (c) Anke Riester
Am 8. Mai 2025, einen Tag nach Festivalbeginn, jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum achtzigsten Mal. Der Jahrestag dieser vermeintlichen „Stunde Null“ ist der Ausgangspunkt der Reihe „Nie wieder ist jetzt? – Filme über Erinnerung und Widerstand“. Sie beschäftigt sich mit der Erinnerungskultur in Deutschland und Europa sowie dem persönlichen Umgang mit Vergangenheit. Die Reihe wird gefördert von der Stiftung München.
Neben dem Eröffnungsfilm FRIENDLY FIRE läuft in der Reihe Avner Faingulernts IT HAPPENED ON OUR GROUND (IL, DE, CA 2024): Ererzählt die GeschichtevonFrauen dreier Generationen einer Familie, auf deren Landmit Beteiligung des Angehörigen Konstantin von Neurath, des NS-Außenministers,ein KZ errichtet wurde. Die Frauen ringen mit Schuld, Erlösung und zerrütteten Beziehungen. SOLDATEN DES LICHTS (DE 2025) von Julian Vogel und Johannes Büttner taucht in eine komplexe Welt zwischen Verschwörungsideologien und Selbstoptimierung ein und porträtiert Menschen, die in Deutschland ein Königreich errichten wollen. In ihrem Film IM OSTEN WAS NEUES (DE 2025) begleitet Loraine Blumenthal den Fußballtrainer Thomas „Eichi“ Eichstätt. Er war einst in der rechtsextremen Szene verankert und setzt sich heute für junge Spieler*innen ein, die überwiegend aus ihren Heimatländern geflüchtet sind.
Martina Priessners DIE MÖLLNER BRIEFE (DE 2025) handelt vom Umgang mit dem rassistischen Brandanschlag in Mölln im Jahr 1992. Viele Menschen nahmen Anteil, doch ihre Briefe erreichten die trauernde Familie Arslan erst 27 Jahre später – bis dahin verstauben sie im Stadtarchiv: ein Film über behördliches Versagen und den Kampf um eine neue, opferzentrierte Erinnerungskultur. In Chiara Sambuchis THE SREBRENICA TAPE – FROM DAD, FOR ALISA (AT, DE 2025) begibt sich Alisa auf eine Reise, um die Geschichte ihrer vom Krieg gezeichneten Familie aufzudecken: Der Ausgangspunkt sind vier Stunden Film auf einem VHS-Band, die ihr Vater zwischen 1992 und 1995 in Srebrenica aufgenommen hat. In DAS LIED DER ANDEREN (CH 2024) folgt Vadim Jendreyko den Spuren vergangener Konflikte quer durch Europa. Begegnungen entlang seines Weges lassen ihn hinterfragen, wie Gesellschaften mit Geschichte und Erinnerung umgehen.
Am 9. Mai findet ein Dialog mit europäischen Gästen zum Europatag statt: Das Gespräch blickt auf das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Beginn eines neuen Europas, die Folgen des Faschismus, den Wiederaufbau Europas und die aktuellen Herausforderungen durch erstarkende rechte Kräfte sowie eine immer fragmentiertere Erinnerungskultur. Gezeigt wird der Film SOLIDARITY (DE, CH 2025): Regisseur David Bernet geht der Frage nach, wie weit unsere Solidarität reicht und reist dazu unter anderem nach Belarus und in die Ukraine, begegnet Geflüchteten und interviewt UNHCR-Kommissar*innen. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Europe Direct München, der Europäischen Kommission – Vertretung in München und dem Goethe-Institut statt (HFF Audimax, 9. Mai, 20 Uhr).
Am 15. Mai findet eine Paneldiskussion zur Perspektive der Gedächtniskultur statt, in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum und dem Goethe-Institut. Die Erinnerungskultur trifft auf neue Herausforderungen: den zunehmenden zeitlichen Abstand, die Bedrohung durch rechtsextreme Entwicklungen, den Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten. Welche Bedeutung hat dies für unsere Erinnerungskultur, und wie können wir die Relevanz der Geschichte für die Gegenwart vermitteln? Zu sehen ist der Film DAS LIED DER ANDEREN, im Anschluss diskutieren unter anderem Mirjam Zadoff, die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums, und Regisseur Vadim Jendreyko (NS-Dokumentationszentrum, 15. Mai, 18 Uhr).
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Die Pressekonferenz zum 40. DOK.fest München findet am 29. April 2025 um 10 Uhr in der HFF München statt. Wir freuen uns, Sie zu begrüßen.